Praxis & Medizin

"Selbstmord durch Pille – das ist falsch"

Pressemitteilung des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V. (BVF) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG)

vereint im German Board and College of Obstetrics and Gynecology (GBCOG)

 

Wir zitieren eine Pressemitteilung vom 25.01.2019 des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V. (BVF) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) 
vereint im German Board and College of Obstetrics and Gynecology (GBCOG) 

"Soeben hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte BfArM einen Warnhinweis herausgebracht, dass die Verwendung hormoneller Verhütungsmittel die Selbstmordgefahr erhöhen könnte (1). Das Institut stützt sich auf einen Warnhinweis der Europäischen Arzneimittelagentur EMA (2) und diese wiederum auf zwei dänische Kohortenstudie aus dem Jahr 2016 (3) und 2017 (4).

Diese dänische Studien haben so erhebliche methodische Fehler, dass sie wertlos sind“, erläutern Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, und Prof. Dr. med. Anton Scharl, Präsident der Deutschen Gesell­schaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, gemeinsam Präsidenten des German Board and College of Obstetrics and Gynecology (GBCOG)..."

"Die Zahlen aus den beiden dänischen Studien beschreiben einen zeitlichen Zusammenhang..., erläutert Dr. med. Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. „Um die Frage zu beantworten, ob ein Arzneimittel bestimmte Nebenwirkungen hervorruft, und um dabei zufällige Zusammenhänge auszuschließen, muss man aufwändige ... Studien durchführen, bei der weder Arzt noch Studienteilnehmer wissen, ob sie ein Plazebo oder das Arznei­mittel bekommen“, erläutert Prof. Dr. med. Anton Scharl, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. In solchen Studien, die es auch für hormonelle Verhütungsmittel durchaus gibt, wurden bisher widersprüchliche Ergebnisse gefunden, sowohl positive als auch nega­tive Veränderungen. Es konnte aber auch gezeigt werden, dass sich vor allem Frauen, bei denen be­reits vor der Behandlung eine depressive Verstimmung oder ein starkes prämenstruelles Syndrom vorhanden war(en), die psychischen Symptome verstärken konnten – andererseits aber kann eine geeig­nete hormonelle Verhütung bei schwerem prämenstruellem ... Syndrom auch hilfreich sein..."

 „Es gibt sehr unterschiedliche hormonelle Verhütungsmittel mit Wirkstoffen, die sehr unterschied­lich auf die Psyche wirken können“, wie Prof. Dr. med. Diethelm Wallwiener, Sprecher des GBCOG, zusammenfassend betont. Wenn ein Mädchen oder eine Frau unter einer bestimmten Art der Verhütung Stimmungsveränderungen beobachtet, dann sollte sie das mit ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt besprechen, so dass eine andere, möglichst ebenso zuverlässige Verhütung gefunden werden kann."

 

© GBCOG und BVF 2019

www.bvf.de  
www.frauenaerzte-im-netz.de

 

QUELLEN: 
(1) Bundesinstitut für Arzneimittel, Rote-Hand-Briefe. 21.01.2019 
(2) European Medicines Agency, Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC) 01.-04.10.2018 
(3) Skovlund, CW, Mørch LS, Kessing LV, Lidegaard Ø. Association of Hormonal Contraception With Depression. JAMA Psychiatry. 2016;73(11):1154-1162. doi:10.1001/jamapsychiatry.2016.2387 
(4) Skovlund CW, Mørch LS, Kessing LV, Lange T, Lidegaard Ø. Association of Hormonal Contraception With Suicide Attempts and Suicides. Am J Psychiatry. 2018 Apr 1;175(4):336-342. doi: 10.1176/appi.ajp.2017.17060616. Epub 2017 Nov 17.
(5) Robert-Koch-Institut zum Weltgesundheitstag 2017: Daten und Fakten zu Depressionen 
(6) AWMF, S2K-Leitlinie Suizidalität im Kindes- und Jugendalter, Dt. Ges. f. Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie