Praxis & Medizin

Aktiv durch die Schwangerschaft

Die Zeiten, in denen schwangere Frauen verstärkte körperliche Schonung angeraten wurde, sind vorbei.

Die Zeiten, in denen schwangeren Frauen verstärkte körperliche Schonung und Ruhe angeraten wurde, sollten vorbei sein. "Experten raten zu Aktivitäten (fast) aller Art — sogar bei bestimmten Komplikationen. Wichtig ist nur, dass die Frauen sich nicht überanstrengen." 1 Um eine solche  zu vermeiden, empfehlen die Experten  des  ACOG  den sogenannten „Talk-Test“: „Solange eine Frau während der Aktivität mühelos ein Gespräch fortsetzen kann, ist sie aller Wahrscheinlichkeit nach nicht überanstrengt.“2

In zahlreichen vorliegenden Studien gebe es keinerlei Hinweise, dass ein moderates Training der werdenden Mutter oder dem Kind schade, so die Autoren Berghella und Saccone von der Universität Neapel im American Journal of Obstetrics & Gynecology im April 2017 in einem Editorial 3. Im Gegenteil, körperliche Aktivität verbessere nicht nur die Fitness und das Wohlbefinden der Schwangeren, so die Autoren dieser Studie, sondern trage auch wesentlich dazu bei, solche Risiken wie übermäßige Gewichtszunahme, Bluthochdruck sowie Schwangerschaftsdiabetes und sogar die Häufigkeit von Kaiserschnitten zu reduzieren. Es gebe zahlreiche Hinweise, dass bei einigen Schwangerschaftskomplikationen eine moderate Bewegung sogar eindeutig positive Auswirkungen hätte. "To our knowledge, there is no intervention that we as providers can recommend to pregnant women as impressive in its significant impact on so many maternal and perinatal outcomes." (Wir können keine andere Intervention empfehlen, die so beeindruckende Auswirkungen auf so viele mütterliche und kindliche Parameter hätte") - so die Experten. 3   

Immer noch raten zahlreiche Frauenärzte bei Komplikationen zur Bettruhe, wobei es für diese Empfehlung keine Grundlage gäbe, betonen Berghella und Saccone. In einer Studie der renommierten Cochrane Collaboration wurde der Effekt sportlicher Aktivität auf eine Vielzahl von Komplikationen untersucht z.B. Bluthochdruck, Präeklampsie, intrauterine Wachstumsverzögerung, Frühgeburt, sogar drohende Aborte und keine Hinweise gefunden, dass sich damit irgendein Risiko senken ließe.4

"Wer bereits zu Beginn der Schwangerschaft einen gesunden, körperlich aktiven Lebensstil pflegt, sollte ausdrücklich ermutigt werden, diesen während der Schwangerschaft weiterzuführen", sind sich die Autoren einig. "Wer sich bis dahin noch nicht körperlich fit gehalten habe, solle den neuen Lebensabschnitt zum Anlass nehmen, seine Gewohnheiten umzustellen." 5

1 Oberhofer, E.:  gynäkologie + geburtshilfe (2018) 23 (Suppl 1): 12. https://doi.org/10.1007/s15013-018-1540-9

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